Whitelist: Wie viele Glücksspiel-Lizenzen wurden bisher vergeben?
Ein Überblick auf die vergebenen Lizenzen im deutschen regulierten Glücksspielmarkt.
Nach den großen Veränderungen im ersten Halbjahr 2023 im deutschen Glücksspielmarkt scheint sich die Entwicklung abgeschwächt fortzusetzen. Wie im dritten Quartal 2024 waren auch im vierten Quartal einige Veränderungen zu beobachten. Sowohl im Bereich der klassischen Online-Casinospiele als auch im Segment der virtuellen Automatenspiele gab es mehrere Entwicklungen.
Lotterien auf dem regulierten Glücksspielmarkt
Lotterien sind die am meisten verbreitete Glücksspielform in Deutschland. Die Anzahl der Erlaubnisse beläuft sich im vierten Quartal 2024 auf 105. Im dritten Quartal 2024 waren noch 107 Betreiber auf dem Markt. Große Veränderungen waren im Segment der Online-Lotterien nicht zu beobachten.
Alle Lotterien
Es folgt nun die gesonderte Betrachtung der einzelnen Bereiche der Lotterieprodukte.
Lotterien des Deutschen Lotto-Toto-Blocks
In Deutschland sind die staatlichen Lotteriegesellschaften der 16 Bundesländer unter dem Dach des Deutschen Lotto- und Totoblocks (DLTB) vereint. Diese übergeordnete Kooperation stellt sicher, dass die Ziehung der Gewinnzahlen sowie die Festlegung und Veröffentlichung der Quoten einheitlich und transparent auf nationaler Ebene erfolgen.
Zur Teilnahme an den Lotterien stehen bundesweit rund 25.000 physische Annahmestellen zur Verfügung. Ergänzend dazu existieren 16 offizielle Online-Plattformen, die jeweils unter der Aufsicht und Verwaltung der zuständigen Landeslotteriegesellschaften betrieben werden. Diese föderale Struktur gewährleistet eine regulierte und rechtskonforme Durchführung des Lottobetriebs in Deutschland.
Lotterien mit geringerem Gefährdungspotential
Veranstalter gemäß § 12 Abs. 3 GlüStV 2021
Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 gestattet gemäß § 12 Abs. 3 die Veranstaltung von Lotterien, sofern diese lediglich ein begrenztes Risiko für problematisches Spielverhalten bergen. Grundsätzlich dürfen diese Angebote keinen wirtschaftlichen Gewinn erwirtschaften, es sei denn, sie erfüllen weitergehende Voraussetzungen, die über einen bloßen Werbeeffekt durch Gewinnanreize hinausgehen.
In solchen Fällen ist gesetzlich vorgeschrieben, dass die erzielten Einnahmen ausschließlich für gemeinnützige, kirchliche oder wohltätige Zwecke verwendet werden.
Hinsichtlich der zugelassenen Anbieter gab es im Vergleich zum zweiten Quartal 2024 nur marginale Veränderungen. Laut der aktuellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) sind derzeit neun genehmigte Veranstalter registriert, die insgesamt 25 Webseiten betreiben. Dies entspricht einem Zuwachs von zwei Online-Portalen im Vergleich zum dritten Quartal 2024.
Veranstalter von Sparlotterien mit regionalem Vertrieb
Zu den Lotterien mit geringem Gefährdungspotenzial gehören auch die von Sparkassenverbänden und Volksbanken angebotenen Sparlotterien. Dieses Modell verbindet die Möglichkeit des Sparens mit einem Lotterieelement, indem ein wesentlicher Teil des Lospreises angespart wird, während lediglich ein kleinerer Anteil als Spieleinsatz in die Lotterie fließt.
Durch diese Struktur wird das Risiko für problematisches Spielverhalten reduziert, da der überwiegende Anteil der eingezahlten Beträge dem Loskäufer in Form von Ersparnissen zugutekommt. Sparlotterien stellen damit eine besondere Form der Lotterie dar, die sowohl den Aspekt der finanziellen Vorsorge als auch die Chance auf Gewinne kombiniert.
Im vierten Quartal 2024 blieb die Anzahl der Erlaubnisse konstant. Nach Veröffentlichung der Whitelist in interaktiver Version ist die Anzahl der Portale allerdings nicht mehr ermittelbar.
Klassenlotterien
Die GKL Gemeinsame Klassenlotterie der Länder ist ein staatlich konzessionierter Anbieter von Klassenlotterien und weiteren Glücksspielangeboten in Deutschland. Sie ging aus dem Zusammenschluss der Nordwestdeutschen Klassenlotterie (NKL) und der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) hervor.
Durch diese Fusion entstand erstmals eine Lotteriegesellschaft, die von sämtlichen 16 Bundesländern gemeinschaftlich getragen wird. Die GKL operiert auf Grundlage einer behördlichen Lizenz und unterliegt strengen gesetzlichen Bestimmungen, die eine transparente und rechtssichere Durchführung der Lotterien gewährleisten.
Lotterie-Einnahmen mit einer Erlaubnis für den Internetvertrieb
Vertriebslizenzen für den digitalen Vertrieb von Lotterieprodukten berechtigen die jeweiligen Lizenznehmer dazu, im Auftrag und auf Rechnung der Gemeinsamen Klassenlotterie der Länder (GKL) Lose online anzubieten. Diese Genehmigungen unterliegen strengen regulatorischen Vorgaben und gewährleisten eine rechtssichere Durchführung des Online-Lotterievertriebs.
Im Vergleich zum dritten Quartal 2024 gab es Ende des vierten Quartals 2024 insgesamt 39 lizenzierte Anbieter, die den Betrieb von 37 Online-Portalen verantworteten. Damit sank die Zahl der lizenzierten Anbieter um zwei, während die Anzahl der betriebenen Portale im gleichen Zeitraum um vier zurückging. Die Anzahl der Anbieter sowie der Portale blieb auch bis heute unverändert.
Gewerbliche Spielvermittlung
Unternehmen, die keine stationären Annahmestellen, Lotterieeinnehmer, Wettvermittlungsstellen oder Buchmacherbüros betreiben, werden gemäß dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV) als gewerbliche Spielvermittler eingestuft.
Diese Anbieter vermitteln Spielverträge an Lotterie-Veranstalter oder organisieren Spielgemeinschaften, um deren Teilnahme an Lotterien zu ermöglichen. Das Hauptziel der gewerblichen Spielvermittler besteht darin, durch ihre Vermittlungsdienste wirtschaftliche Gewinne zu erzielen.
Im dritten Quartal 2024 waren in Deutschland 12 gewerbliche Spielvermittler mit insgesamt 20 Online-Portalen tätig. Diese Zahlen blieben auch im vierten Quartal des Jahres sowie bis zum heutigen Zeitpunkt unverändert.
Keine Veränderungen im Bereich der Pferdewetten-Angebote
Im vierten Quartal 2024 wies die Anzahl lizenzierter Anbieter für Pferdewetten kaum Veränderungen auf. Bis heute gibt es weiterhin fünf Anbieter, die nun allerdings sieben statt sechs Portale betreiben.
Die Firmensitze der Unternehmen befinden sich in folgenden Ländern:
· Zwei Anbieter firmieren in Deutschland
· Drei Unternehmen haben ihren Sitz in Malta
Anzahl der Sportwetten-Portale erneut gesunken
Am Ende des vierten Quartals 2024 besaßen 29 Anbieter Lizenzen für den Betrieb von 34 Sportwetten-Portalen. Damit blieb zwar die Anzahl der Anbieter konstant, die Zahl der Plattformen ist jedoch rückläufig.
IBA Entertainment Limited, ansässig in Malta, hat die Zulassung für sein Webportal Bet3000 immer noch nicht zurückerhalten, so dass es auch dort keine neuen Entwicklungen zu beobachten gab. Das Unternehmen hat jedoch weiterhin die Erlaubnis, seine terrestrischen Wettbüros zu betreiben. Es ist nicht bekannt, ob und wann das Online-Sportwetten-Angebot wieder verfügbar sein wird.
Firmensitze der Sportwetten-Unternehmen:
· Zwei Anbieter sitzen in Deutschland
· Zwei Unternehmen sind in Österreich ansässig
· Ein Unternehmen stammt aus Frankreich
· 24 Betreiber haben ihren Sitz in Malta
Anzahl zugelassener Anbieter virtueller Automatenspiele stark gesunken
Die Deutsche Gesellschaft für Glücksspiel (DGGS) startete im Juni 2022 mit ihren Plattformen JackpotPiraten und BingBong als erster lizenzierter deutscher Anbieter im Online-Bereich. In den folgenden Monaten erlebte der Markt für virtuelles Automatenspiel zunächst ein starkes Wachstum.
Im vierten Quartal 2024 jedoch hat der maltesische Anbieter Aspire Global 7 Limited mit seinen 14 Webseiten dem deutschen Markt den Rücken gekehrt. Die Gründe für den Rückzug sind seitens des Unternehmens öffentlich nicht kommuniziert worden.
Auch Home Gaming Entertainment Limited hat sich im Dezember 2024 mit seinem Portal Winfest zurückgezogen. Nach heutigem Stand besitzen 37 Betreiber Zulassungen für insgesamt 106 Portale.
Firmensitze der Anbieter virtueller Automatenspiele:
· Neun Anbieter haben ihren Sitz in Deutschland
· Ein Betreiber sitzt in Österreich
· 27 Unternehmen firmieren in Malta
Keine Veränderungen des Online-Poker-Angebots
Die Anzahl der lizenzierten Anbieter für Online-Pokerspiele hat sich seit der letzten Erhebung nicht verändert. Derzeit sind fünf Unternehmen auf der offiziellen Whitelist verzeichnet, die insgesamt sieben digitale Pokerplattformen betreiben. Alle diese Anbieter haben ihren Unternehmenssitz in Malta.
Entwicklung im Bereich der Online-Casinospiele
Am 15. Januar 2024 erhielt die staatliche Lotterie- und Spielbankenverwaltung die offizielle Genehmigung für den Betrieb von Online-Casinospielen. Damit war es erstmals möglich, in einem legalen Rahmen auf digitale Angebote wie Roulette und Blackjack zuzugreifen. Auch ein Live-Casino wurde in das Portfolio aufgenommen. Allerdings ist diese Möglichkeit ausschließlich Personen mit Wohnsitz in Bayern vorbehalten.
Über einen längeren Zeitraum blieb der Markt für Online-Casinospiele weitgehend unverändert. Doch im dritten Quartal 2024 kam es zu einer bedeutenden Entwicklung: Am 18. September erteilten die zuständigen Behörden vier Unternehmen die Zulassung für den Betrieb von fünf Online-Casino-Plattformen.
Eine der erteilten Genehmigungen ging an BluBet Operation Limited, eine Tochtergesellschaft des österreichischen Glücksspielkonzerns Novomatic. Zudem erhielt unter anderem die Merkur-Tochter Cashpoint Malta Limited eine Lizenz für den Betrieb der Plattform merkur-spiel.de. Im Jahre 2025 gab es in diesem Bereich noch keine Entwicklungen.
Regulierung des virtuellen Automatenspiels – ein Markt mit Hürden
Die Regulierung des deutschen Glücksspielmarktes verfolgt das Ziel, ein sicheres und kontrolliertes Spielangebot zu gewährleisten. Insbesondere im Bereich des virtuellen Automatenspiels sind jedoch erhebliche Herausforderungen erkennbar. Während der Glücksspielstaatsvertrag 2021 erstmals eine bundesweit einheitliche Rechtsgrundlage für Online-Glücksspiele geschaffen hat, zeigt sich in der Praxis, dass die Umsetzung vieler Anbieter vor große Schwierigkeiten stellt.
Ein zentrales Problem ist die restriktive Ausgestaltung der Vorgaben, die es Betreibern erschwert, sich im regulierten Markt zu behaupten. Hohe Anforderungen an die Lizenzierung, enge Vorgaben zu Einsatzlimits und Spielformen sowie umfangreiche Kontrollmechanismen führen dazu, dass sich einige Anbieter zurückziehen oder keine Zulassung beantragen. Der regulierte Markt bleibt dadurch hinter seinen Möglichkeiten zurück, während nicht lizenzierte Angebote aus dem Ausland weiterhin um deutsche Spieler werben.
Die derzeitige Regulierung stellt damit zwar einen wichtigen Schritt zur Kanalisierung des Glücksspielangebots dar, ist jedoch in ihrer strengen Auslegung und langsamen Umsetzung nicht vollständig zielführend. Eine effizientere Lizenzvergabe sowie eine praxisnahe Regulierung des virtuellen Automatenspiels könnten dazu beitragen, dass sich der legale Markt besser entwickelt und attraktiver für Anbieter und Spieler wird.
überarbeitet am: Mittwoch, 12. März 2025